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ZUM THEMA: Ursachen & Diagnostik
Luft im Bauch — Blähungen und unklare Bauchbeschwerden
„Ich traue mich kaum noch, außer Haus zu gehen.“ oder „Ich komme mir vor wie ein Ballon!“ klagen Patienten, wenn sie sich durch Rumoren im Bauch in ihrem normalen Alltag immer wieder beeinträchtigt fühlen. Der Leidensdruck kann immens werden. Viele Menschen suchen Hilfe für ein Problem, über das ungern gesprochen wird. Die Therapiemöglichkeiten der konventionellen Medizin sind bei diesem Beschwerdebild leider begrenzt.
Warum entstehen Blähungen?
Bei der Verdauung entstehen Gase. Das ist normal. Bilden sich jedoch vermehrt Gase im Darm und verursachen sie unter anderem Völlegefühl und/oder kolikartige Schmerzen, spricht man von Blähsucht (medizinisch: Meteorismus oder Flatulenz). Die Beschwerden können viele Ursachen haben. Manchmal schluckt man unbewusst einfach zu viel Luft. Oder man verträgt bestimmte Speisen nicht und kann sie nicht verdauen. Viele Menschen bekommen Blähungen, wenn sie übermäßig viel Zucker konsumiert haben.
Oft sind aber auch Darmbakterien schuld, die vermehrt Kohlenhydrate, Fette oder Ballaststoffe abbauen. In einigen Fällen werden die Beschwerden von einer Erkrankung verursacht, die ein anderes Organsystem betrifft. Das kann beispielsweise bei Lebererkrankungen der Fall sein.
Von einem Reizdarmsyndrom wird gesprochen, wenn zwar nicht mehr Gas als normal gebildet wird, diese aber verstärkt und störend wahrgenommen werden.
Wie zeigen sich unklare Bauchbeschwerden?
Jeder zweite Deutsche leidet unter ständigen, unklaren Bauchbeschwerden! Die deshalb durchgeführten umfangreichen Untersuchungen werden oft als äußerst unangenehm empfunden. Bei einem Teil der Magen- und Darmuntersuchungen sind die Befunde häufig unauffällig.
Morgendliche Übelkeit, begleitet von leichten, immer wieder auftretenden Bauchkrämpfen sind charakteristisch für unklare Bauchbeschwerden. Der Bauch ist meist aufgebläht und zeitweise tritt Durchfall auf. Nicht selten klagen die Patienten außerdem über Müdigkeit und Erschöpfung, Muskelkrämpfe oder eine zunehmende Infektanfälligkeit.
Hauptsymptome
- Blähungen, Bauchkrämpfe
- Durchfall oder Verstopfung (oft auch wechselnd)
- Übelkeit, Appetitlosigkeit
- Mundgeruch
Begleitsymptome
- Müdigkeit, Übellaunigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Hauterscheinungen, Allergien
- Kopfschmerzen, Migräne
- Gelenk- und Muskelschmerzen
Was sind die Ursachen der Beschwerden?
Mediziner unterscheiden vier wesentliche Ursachengruppen für unklare Bauchbeschwerden:
- unzureichende Nährstoffspaltung durch einen Mangel an Verdauungssäften
Ursachen für diese so genannte Maldigestion können sein: ein Mangel an Magensäure, Gallensaft oder Enzymen wie zum Beispiel der Bauchspeicheldrüse. - unzureichende Aufnahme von Nährstoffen im Darm
Ursachen für diese so genannte Malabsorption sind Entzündungen der Schleimhäute, Glutenunverträglichkeit (Gluten ist ein unverdaulicher Bestandteil in vielen Getreidesorten) oder Unverträglichkeit von Zucker (Milch- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit). - allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel
- eine instabile oder atypische Darmbakterienflora
Der Weg der Nahrung
Die Stationen des Verdauungstraktes lernen heute schon Schulkinder. Aber wissen wir später noch, welche Dimensionen und Funktionen beispielsweise unser Darm hat?
Der Verdauungstrakt lässt sich mit einem durchgehenden Rohr vergleichen, das vom Mund bis zum After reicht. Erreicht die Nahrung den Darm, hat sie bereits einige Stationen hinter sich. Nach der Zerkleinerung der Nahrung in der Mundhöhle, geht die Reise weiter durch Rachen, Speiseröhre und Magen. Dort werden die Nahrungsbestandteile durch die Magensäure und bestimmte Enzyme weiter „bearbeitet“.
Im Dünndarm angekommen, wirken enzymhaltige Verdauungssäfte auf den Speisebrei ein und spalten ihn in Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette auf. Die verwertbaren Bestandteile gelangen über die Darmschleimhaut ins Blut. Das Blut transportiert die Nährstoffe zu den einzelnen Organen. Im Dickdarm wird dem verbliebenen Speisebrei schließlich Flüssigkeit entzogen bis er als Stuhl ausgeschieden werden kann. Durchschnittlich 24 Stunden dauert so eine Reise durch den Verdauungskanal.
Der menschliche Darm ist übrigens sieben bis neun Meter lang und umfasst ungefähr eine Oberfläche von 400 Quadratmetern. Im Laufe eines 75-jährigen Lebens leistet er Schwerarbeit: schätzungsweise 30 Tonnen Speisen und 50.000 Liter Flüssiges passieren den Darm.
Woher weiß der Darm, was zu tun ist?
Die Steuerung übernehmen mehr als 100 Millionen Nervenzellen im Darm. Dieses eigenständig arbeitende Nervennetzwerk ist mit dem so genannten peripheren Nervensystem vergleichbar. Man könnte sogar sagen, es ist unser „Bauchhirn“.
Es analysiert die Zusammensetzung der Nahrung, organisiert die Abwehr von Bakterien, kontrolliert Hormone und Sekrete und schickt Alarmsignale ins Gehirn, wenn es Giftstoffe entdeckt hat. Das Gehirn mischt sich in diesen Prozess nicht ein, es erhält lediglich die Informationen darüber. Das Bauchnervennetzwerk organisiert und kontrolliert den Transport des Darminhaltes. Dafür muss es die Muskelzellen im Darm koordinieren. Störungen des Transports sind oft die Ursache für Magen-Darm-Beschwerden. Geht er zu langsam, kommt es zu Verstopfung, ist er zu schnell, kommt es zu Durchfall.
Was leistet der Darm noch?
Ein großer Teil unseres Immunsystems wird in der Darmwand ausgebildet. Die Schleimhaut des Dickdarmes ist das erste und wichtigste Verteidigungssystem gegen Krankheitserreger und Giftstoffe. Hier sitzen mehr als 70 Prozent der Abwehrzellen des Körpers. Der gesunde Dickdarm kann mit seiner Bakterienflora selbständig Vitamine wie Biotin, Folsäure, Nicotinsäure und Vitamin K bilden. Milliarden von Mikroorganismen leben im Darm, die Darmflora besteht aus mehr als 400 verschiedenen Arten. Eine gesunde Darmschleimhaut verhindert, dass Krankheitserreger in die Blutbahn des Körpers eindringen, und sorgt gleichzeitig dafür, dass Spurenelemente und Mineralstoffe aufgenommen werden.
Geschädigt werden kann die Darmflora durch starke Medikamente wie Antibiotika und Cortison, Hormone, Schadstoffe in der Nahrung oder Umweltgifte. Dann werden nicht nur die krankmachenden, sondern auch die für die Abwehrfunktion notwendigen Bakterien getötet und der Darm gerät aus dem Gleichgewicht. Er verursacht Bauchschmerzen, Völlegefühl und oder Verstopfung.